Befriedung der Grundstücke

Liebe Homepage-Besucher, liebe Tier- und Naturfreunde!

Vor einiger Zeit habe ich bei den zuständigen Behörden einen sogenannten Antrag auf Befriedung meiner Grundstücke gestellt. Damit kann man erwirken, dass auf seinem eigenen Grund und Boden die Jagd auf und das Töten von Tieren untersagt wird.

Natürlich wird ein solches Vorgehen schnell öffentlich – und so erhielt ich vor wenigen Tagen von einer lokalen Zeitungsredaktion die Anfrage, mich zu meinen Beweggründen zu äußern. „Was sind die Gründe, die Sie dazu bewogen haben, den Antrag zu stellen, dass auf Ihren Grundstücken nicht mehr gejagt werden darf?“ und „Jagdpächter und Grundstückseigentümer fürchten negative Auswirkungen (Wildverbiss/Seuchengefahr) auf ihren Grundstücken, sollte es zu einem Jagdverbot kommen. Was sagen Sie diesen Kritikern?“ wollte der Journalist unter anderem wissen. Seine Fragen haben mich dazu bewogen, tatsächlich meine Gedanken und Gefühle einmal nieder zu schreiben – und ich möchte an dieser Stelle jedem die Möglichkeit geben, sie mit mir zu teilen. Hier also meine Antwort-Zeilen auf die Zeitungs-Anfrage:

Ich habe mich entschieden, meine Grundstücke zu befrieden, da ich die Jagd aus ethischen Gründen ablehne. Ich bin Tierheilpraktikerin – ich versuche, Tierleben zu retten. Nicht, es zu töten!

Wir alle lieben unsere Haustiere. Sie sind teilweise richtige Familienmitglieder. Wir lachen mit ihnen, wir erleben ihre Gefühle – ihre Angst und ihre Freude. Wir erleben, wie sie das Leben und die Zeit mit uns genießen. Warum denken wir, dass Wildtiere nicht genau so fühlen, wie unsere geliebten Haustiere?

Alle Tiere fühlen – genau wie wir Menschen.

Auch Wildtiere haben Familien: sie ziehen ihre Kinder groß, versuchen sie zu beschützen, wollen leben.

Die belastete Natur, Wasserknappheit und das fehlende Nahrungsangebot erschweren ihr Leben ohnehin schon. Es ist ein steter Überlebenskampf in einem für sie immer kleiner werdenden Lebensraum.

Wo gibt es noch Biodiversität? Und wo können heimische Wildtiere denn noch „in Ruhe“ leben?

Ich habe eine Treibjagd miterleben müssen – die Hatz, die Schreie der Tiere, die Angst und Panik, die in der Luft lag. Und danach hörte man Stunden lang nichts mehr. Kein Vogel, der noch sang. Gespenstische Stille … Mich verfolgt dieses Erlebnis bis heute.

Ja, es gibt etliche Thesen von Jagd-Befürwortern. Aber die können widerlegt werden. PETA hat es getan. Wer den Mut hat, der sollte den PETA-Faktencheck https://www.peta.de/jagdirrtuemer  lesen. Die Tierrechtsorganisation widerlegt eindringlich gern ins Feld geführte Behauptungen mit wissenschaftlichen Studien. Lesen Sie es!

Und wem das noch nicht reicht, wirft mal einen Blick in die Schweiz. Im Schweizer Kanton Genf ist seit 1974 bereits die Jagd verboten. Werden die Schweizer von Wild überrannt? Ist was Schlimmes passiert? Nein, natürlich nicht. Viele Länder sind seit dem ihrem Beispiel gefolgt oder haben mindestens große jagdberuhigte Gebiete: Griechenland, Holland, Albanien, Costa Rica, Sri Lanka. Die Liste wird immer länger.

Ist es nicht endlich an der Zeit, sich mit diesen Fakten auseinander zu setzen? Ist es nicht endlich an der Zeit, andere Wege zu gehen? Ist es nicht endlich an der Zeit, zu begreifen und zu fühlen, was wir da wirklich tun?

Was haben wir unserer Erde nicht bereits alles angetan! Praktisch überall auf der Welt enthält Leitungswasser Schadstoffe. Weltweit sind 82 % des Trinkwassers mit winzigen Plastikfasern verseucht. Bewirtschaftete Felder, Böden, Wälder und Pflanzen sind meist mit Pestiziden kontaminiert – der Grund für das große Artensterben der letzten Jahre. Wir müssen etwas tun – und wir müssen es JETZT tun. Unsere Tiere müssen unbedingt geschützt werden.

Ich möchte ein Zeichen setzen und für das einstehen, was ich fühle! Und so habe ich mich unter anderem entschieden, von meinem Recht, das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte vor Jahren Grundbesitzern zugestanden hat, Gebrauch zu machen und mich der Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft zu verweigern.

Es kann nur ein Anfang sein. Ich möchte alle Menschen dazu aufrufen: denkt mit dem Herzen!

Mit lebens- und tierfreundlichen Grüßen

Ihre Tanja Hammerl

Beachten Sie hier bitte die zahlreichen Quellenangaben, darunter auch wissenschaftlich anerkannte Studien(!):
(1) Deutscher Jagdverband (2014) Jahresjagdstrecke Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Jagdverband Handbuch 2014.
(2) Reichholf, J. H. (ohne Datum) Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. SWR BW (abgerufen am 15.05.2014).
(3) Servanty S., Gaillard J., Toigo C., Brandt S.& Baubet E. (2009) Pulsed resources and climate‐induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of animal ecology 78.6 1278-1290.
(4) Frommhold D. (2007) Füchse im Fadenkreuz – über Sinn und Unsinn der Fuchsjagd. www.fuechse.info (abgerufen am 15.05.2014).
(5) Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (2014) Tollwut in Baden-Württemberg und Deutschland erfolgreich getilgt. www.mlr.baden-wuerttemberg.de.
(6) Brehm K. in Apothekenumschau (2012) Fuchsbandwurm: Keine Angst vor Waldbeeren. Apothekenumschau online (abgerufen am 15.05.2014).
(7) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (ohne Datum) Tierschutz und Bewegungsjagden. Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6).
(8) Reichholf, J. H. (2013) Gibt es eine ethische Rechtfertigung der Jagd? TIERethik 5 Jahrgang 2013/2 Heft 7. 33-45.
(9) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2007, 2010) Bericht zur Lebensmittelsicherheit. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 2007, 2010.
(10) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (1997) Jagd-Tierschutz-Wildbretqualität. Merkblatt Nr. 45.
(11) Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (2012) Belastetes Wildfleisch: Blei im Magen. Spiegel Online 24.12.2012 (abgerufen am 08.05.2014).